Eröffnungsveranstaltung: Die Vorträge des Abends


Der Vortrag »Viel Glück!« von Andrea Schmidt setzt sich mit Zeichen der chinesischen

Kultur auseinander, die Glück versprechen. Glücksbringer sind Objekte, denen «magische» Eigenschaften nachgesagt werden. Sie können allgemein gültig, aber auch sehr subjektiv sein und wirken kulturspezifisch. Der Besitzer entscheidet, welches Objekt  ihm persönlich Glück bringt. Oft sind Glücksbringer mit individuellen Geschichten verbunden.

Der Ursprung der chinesischen Schrift findet sich in den Zeichen der Orakelknochenschrift. Vor 4.000 Jahren wurden diese in Schildkrötenpanzer geritzt und ins Feuer geworfen. Anhand der Auskerbungen und Risse deutete man das Glück. Die heute gebräuchlichen chinesischen Schriftzeichen stellen ein einzigartiges
ikonografisches Schriftsystem dar, welches auf den Zeichen der Orakelknochenschrift basiert.

Mit dem Vortrag wird ein Ausflug in die chinesiche Schriftgeschichte unternommen und anhand aktueller Arbeiten von Studierenden der China Academy of Art Hangzhou (VR China) das Thema »Glück« im interkulturellen Verständnis vorgestellt.

Die Arbeiten leiten über ins Feld der multilingualen Typografie. Es werden Fragestellungen diskutiert, die sich speziell aus der Koexistenz von chinesischen und lateinischen Schriftzeichen im interkulturellen Kontext ergeben.

Andrea Schmidt studierte Grafik- und Interfacedesign an der Hochschule Anhalt in Dessau. Seit 2000 lebt und arbeitet sie als Typografin und Designerin in Berlin. Sie lehrte Typografie u.a. an der Fachhochschule Potsdam, an der Universität der Künste Berlin und an der China Academy of Art Hangzhou (VR China).

Nach zahlreichen Auslandsaufenthalten forschte sie im Bereich der »Multilingualen Typografie«, u.a. am Institut design2context an der Hochschule der Künste in Zürich, und weiterführend im Bereich der »Interkulturellen Gestaltung«.

Seit 2010 ist Andrea Schmidt Mitherausgeberin im Verlagshaus J. Frank | Berlin, das sich interkulturellen Literatur- und Illustrationsprojekten widmet. Kürzlich publizierte sie zusammen mit Nadine Roßa und Patrick Marc Sommer das Buch »Typoversity«. Erschienen im Norman Beckmann Verlag, präsentiert »Typoversity« einen Querschnitt über die typografische Ausbildung an deutschen Hochschulen.

»Das Auge liest mit – Die schönsten Bücher« von Uta Schneider

Uta Schneider geht im Eröffnungsvortrag auf einige Besonderheiten der Buchgestaltung ein. Die Buchseite – mit ihren zwei Seiten (recto–verso), die nicht identisch mit der Doppelseite sind; die Buchstruktur – also die inhaltliche Gliederung; die Buchform – in den letzten Jahren wurden in der industriellen Buchbindung zahlreiche neue Techniken entwickelt; die Ausstattung – Materialmix ist derzeit sehr gefragt; und natürlich die Typografie.

Als Beispiele zeigt sie ausgewählte Bücher aus den letzten Wettbewerben. Buchgestaltung, d.h. Typografie, Layout, Bildbehandlung, Umschlaggestaltung und Materialwahl, ist in erster Linie ein Medium, das Texte und Inhalte organisiert. Mit Schrift, Auszeichnungen und Platzierungen strukturieren Gestalter/innen und Hersteller/innen die Texte, um den Buchinhalt zu erschließen, übersichtlich aufzubereiten oder ein komplexes Thema adäquat zu übersetzen – zu übersetzen in die Buchform. Buchgestaltung ist ein eher unsichtbares Medium. In den Medien, den Feuilletons, findet die Auseinandersetzung mit den Eigenheiten des Mediums Buch selten statt.

Filmkritik, Literaturkritik, Theaterkritik, Musikkritik sind vergleichsweise bekannt, doch über die Faktoren, die ein Buch attraktiv und gut handhabbar machen, wird wenig kommuniziert. Wir sind geübt im Diskurs eines literarischen Inhalts, sehen aber meist das Medium nicht, das diesen transportiert: das Buch in seiner physischen Form. Hier leistet die Stiftung Buchkunst seit 60 Wettbewerbs-Jahrgängen einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion.



Uta Schneider, 1959 in Reutlingen geboren, studierte an der HfG Offenbach am Main visuelle Kommunikation. Zweigleisig ausgebildet, arbeitete sie 15 Jahre als selbständige Typografin und Buchgestalterin, bevor sie ab 2001 die Geschäftsführung der Stiftung Buchkunst Frankfurt am Main & Leipzig übernahm. Seither ist sie verantwortlich für die «Schönsten Bücher aus aller Welt/Best Book Design from all over the World» und «Die schönsten deutschen Bücher». Die Ergebnisse dieser beiden jährlichen Gestaltungswettbewerbe vermittelt sie nicht nur im Inland, sondern gibt ihre Begeisterung für das Medium Buch auch in zahlreichen Vorträgen und Workshops im Ausland (Rumänien, Estland, Italien China, USA, Japan) weiter.

Parallel zur angewandten Gestaltung arbeitet sie seit 1986 als Bildende Künstlerin mit Ulrike Stoltz zusammen (u.a. in der Künstlerinenngruppe Unica T), seit 2001 unter dem Namen ‹usus› (Text-/Rauminstallation, Zeichnung, Künstlerbuch). Sie stellt im In- und Ausland aus.

»Origami (die Jahrhunderte alte japanische Kunst neu entdeckt)« von Sipho Mabona

Sipho Mabona hat bereits mit fünf Jahren sein erstes Papierflugzeug gefaltet. Mit 20 fing er an, seine eigenen Entwürfe zu kreieren. Auf diesem Weg entdeckte er die Origami-Kunst.

Seither wurden seine Origami-Kreaturen in Museen und Galerien rund um den Globus, zum Beispiel in New York, Vancouver, London Hamburg und Tokyo ausgestellt. Unvergleichbar bleibt bisher seine Mitarbeit an einem Werbespot für die Sportartikelfirma Asics. Der Kurzfilm wurde mit mehreren international renommierten Preisen ausgezeichnet. Im Sommer 2008 wurde Sipho an die Jahreskonferenz der Japan Origami Academic Society (JOAS) nach Tokyo eingeladen. Mittlerweile war er Geladener Gast bei den Jahreskonferenzen des deutschen, spanischen und französischen Origamiverbandes. Sipho Mabonas Origamis umfassen eine breite Palette von verschiedenen Stilen. Sowohl sehr subtile und filigrane Designs, wie auch abstrakte geometrische Figuren gehören zu Repertoire des 31-Jährigen. Seine Arbeit zeichnet sich durch die makellose Falttechnik und sein grosses Gefühl für Linien und Figuren aus. Sipho Mabona lebt zurzeit in Luzern.

Sipho Mabona wird am Eröffnungsabend (11. November) den Vortrag »Origami (die Jahrhunderte alte japanische Kunst neu entdeckt) – Ein Reise von den historischen Ursprüngen des Origamis bis zu den Werken der heutigen Meister« halten.


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