Schreiben an Unternehmer der Druck- und…

Schreiben an Unternehmer der Druck- und Medienindustrie

06.05.2020

Sehr geehrte Unternehmerinnen und Unternehmer,
sehr geehrte Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer in der deutschen Druck- und Medienindustrie,

die Corona-Pandemie erfasst unser Land nun schon seit zwei Monaten und lähmt es auch wirtschaftlich zunehmend und bislang ohne Aussicht auf ein baldiges Ende. Der bvdm und die Landesverbände haben in der vorigen Woche die Ergebnisse der Kurzumfrage unter ca. 650 Unternehmen veröffentlicht, durch die nicht nur das aktuelle Konjunkturbarometer des ifo-Instituts bestätigt, sondern noch viel differenzierter die Dramatik der aktuellen Situation dargestellt wurde.

Neben der Nachfrage nach den Informations- und Beratungsangeboten der Verbände kommt immer stärker die Frage nach Unterstützungsleistungen für die Wirtschaft und dem Ende des volkswirtschaftlichen Lockdowns auf. Auch wir werden mit diesen Erwartungshaltungen in unserer Industrie konfrontiert, die wie wenige andere von den Aktivitäten aller anderen Branchen, für die sie produziert, abhängig ist. Über unsere Spitzenverbände, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) oder den Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), setzen wir uns gemeinsam für Liquiditätshilfen und verantwortungsbewusste Lockerungen ein – mit Erfolg.

So ist die wichtige steuerpolitische Erleichterung durch die Möglichkeit der Verrechnung von Gewinnen des Jahres 2019 mit den zu erwartenden Verlusten des Jahres 2020 (Verlustrücktrag) nur wenige Tage, nachdem wir dies gemeinsam mit dem ZAW und weiteren Branchenverbänden in einem Schreiben an mehrere Ministerien gefordert hatte, so von der Politik entschieden worden.

Wir setzen uns auch dafür ein, dass Unternehmen mit den Kreditprogrammen der KfW unbürokratische und nicht an zu starre Voraussetzungen geknüpfte Betriebsmittelkredite erhalten können. Die EU-Kommission hat vor wenigen Tagen bankaufsichtsrechtliche Erleichterungen vorgeschlagen, durch die insbesondere den Hausbanken des Mittelstandes die Kreditvergabe erleichtert wird. Wir schließen uns der Aufforderung des ZDH an, diese Erleichterungen in die Kreditvergabepraxis an die Unternehmen der Druck- und Medienindustrie weiterzugeben.

Sektorale Zuschüsse sehen wir kritisch − ebenso wie unsere großen Dachverbände ZDH und BDA. Der Staat verteilt zurzeit Gelder in einem Ausmaß, wie er sie selbst nicht zur Verfügung hat und nur über Verschuldung finanzieren kann. Es ist im Interesse auch unserer Industrie, dieses Defizit hinterher nicht über unverhältnismäßige Steigerungen der Steuern und Sozialabgaben zahlen zu müssen. Dies wäre Gift für unsere Unternehmen, die auch vor Corona in einem harten strukturellen Wandel steckten und diesen auch nach Corona noch bestehen müssen.

Der Ruf nach einem Hochfahren der Wirtschaft ist verständlich und wird von uns sowie in allen politischen Runden und Videokonferenzen der großen Wirtschaftsorganisationen zur Sprache gebracht. Wir müssen damit jedoch verantwortungsvoll umgehen. Es droht sonst ein Flickenteppich bei Öffnungen und Arbeitsschutzstandards in Deutschland, der zu großer Verunsicherung führen würde und die Gefahr birgt, dass regionale, lokale oder sektorale Shutdowns aufs Neue verordnet werden würden. Undifferenzierte Aufrufe an die Bundeskanzlerin, den Lockdown aufzuheben, „bevor es zu spät ist“, kann man nur als unverantwortlich bezeichnen.

Unsere Argumente im Gespräch mit der Regierung und mit Abgeordneten sowie in entsprechenden Schreiben haben ihre Wirkung nicht verfehlt und haben mit dazu beigetragen, dass bereits Öffnungen möglich wurden. Wer in Abwägung der Gefahren und der von der Politik ebenfalls zu beachtenden Gütern und Werte handelt, leistet seiner Branche und der gesamten Volkswirtschaft einen guten Dienst. Das tun die Landesverbände unserer Verbandsorganisation in Abstimmung mit den starken Unternehmervereinigungen in den Bundesländern genauso wie der bvdm im Schulterschluss mit den großen Dachverbänden auf Bundesebene und über seine Kontakte zu den politisch Verantwortlichen.

Dennoch ist es richtig, der bereits jetzt zu spürenden Käufer- und Konsumzurückhaltung durch starke Impulse für eine wiederbelebte Wirtschaft entgegenzuwirken. Gerade unsere Industrie ist für ihre Kreativität und ihre Innovationsfähigkeit bekannt – dafür muss Raum zur Entfaltung gelassen werden. Ein transparenter und nachvollziehbarer Plan für den Weg zurück zur Normalität des Wirtschaftslebens ist dafür erforderlich, denn unsere Unternehmen benötigen so viel Planungssicherheit wie möglich.

In diesem Sinne stehen Ihnen die Landesverbände und der Bundesverband Druck und Medien weiterhin unterstützend zur Seite und sind gerne für Sie da.

Alles Gute für Ihr Unternehmen und Gesundheit für Sie persönlich!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Paul Albert Deimel        und                Oliver Curdt
Hauptgeschäftsführer                               Geschäftsführer/Vorstand
Bundesverband Druck und Medien          VDM Nord-West