Nachhaltigkeitsbericht-Erstattung

Nachhaltigkeitsbericht-Erstattung

Die europäische Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wurde am 10.11.2022 vom Plenum des Europäischen Parlaments und am 28.11.2022 vom Rat verabschiedet. Der bvdm informiert über aktuelle Entwicklungen zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung und bittet ggf. um Nennung von Experten aus der Druckindustrie zur Unterstützung der Arbeit der Verbände.

Am 22.11.2022 hat eine EU-Expertengruppe namens European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) der Europäischen Kommission ihre finalen Entwürfe für Nachhaltigkeitsberichtsstandards für große Unternehmen (ESRS) übersendet. Dabei handelt es sich um die sektoragnostischen Basis-Standards, die später durch sektorspezifische Standards erweitert werden. Die Kommission wird die veröffentlichten ESRS nun prüfen und die Mitgliedstaaten sowie betroffene EU-Organe konsultieren, bevor sie die Standards im Juni 2023 als delegierten Rechtsakt veröffentlicht.

Rechtliche Grundlage für die Nachhaltigkeitsstandards ist die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), welche am 10.11.2022 vom Plenum des Europäischen Parlaments und am 28.11.2022 vom Rat verabschiedet wurde. Damit ist die Richtlinie angenommen und nach der Veröffentlichung im Amtsblatt muss die Richtlinie innerhalb von 18 Monaten in deutsches Recht umgesetzt werden. Eine inhaltliche Analyse mit Blick auf die Relevanz für Handwerksbetriebe – also eher kleine Unternehmen – finden Sie im Anhang diese Rundscheiben einen FAQ-Katalog des ZDH (siehe Anhang 1). Weiterführende Informationen zu den Inhalten der Berichtspflicht finden Sie auch hier: (https://www.csr-berichtspflicht.de/csrd).

Wesentliche Inhalt der CSRD:

Die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung weitet den Anwendungsbereich deutlich aus und sieht unterschiedliche Zeitpunkte für die erstmalige umfangreichere Berichterstattung vor. Die bisher bereits zur sog. CSR-Berichterstattung verpflichteten Unternehmen haben ihren Nachhaltigkeitsbericht für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2024 beginnen, nach den neuen Vorgaben zu erstellen. Darüber hinaus sind künftig alle großen Unternehmen und alle Mutterunternehmen einer großen Gruppe verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2025 beginnen, anzufertigen. Kleine und mittlere Unternehmen, deren Wertpapiere zum Handel auf einem geregelten Markt in der Union zugelassen sind, und die keine Kleinstunternehmen sind, müssen für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2026 beginnen, einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen. Diese kapitalmarktorientierten KMU können für Geschäftsjahre, die vor dem 01.01.2028 beginnen, beschließen, auf einen Nachhaltigkeitsbericht zu verzichten und müssen dies begründen. Darüber hinaus sind auch bestimmte Institute sowie bestimmte Versicherungsunternehmen vom Anwendungsbereich erfasst. Zudem ist für Emittenten nach der Richtlinie 2004/109/EG eine parallele gestufte Anwendung zur erweiterten Nachhaltigkeitsberichtserstattung vorgesehen. Für bestimmte Drittstaatsunternehmen gilt die neue Nachhaltigkeitsberichterstattung für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2028 beginnen.

Der Nachhaltigkeitsbericht als separater Abschnitt des Lageberichts muss künftig zur Erlangung begrenzter Sicherheit und später zur Erlangung hinreichender Sicherheit geprüft werden. Die neue Richtlinie sieht zudem Formatvorgaben für die Veröffentlichung, das einheitliche europäische Berichtsformat gemäß der Delegierten Verordnung (EU) 2019/815, und eine Etikettierung/Tagging der Informationen vor.

Standardisierte Nachhaltigkeitsberichte

Die oben angesprochenen vorgelegten Standards bleiben weiterhin sehr umfangreich und haben in vielen Fällen Auswirkungen auf KMU in den Lieferketten, auch wenn diese noch nicht genau zu beziffern sind. Allgemein gilt: große Unternehmen müssen Information zu den wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen in Verbindung zur Nachhaltigkeit offenlegen, die von ihren Geschäftspartnern in der Lieferkette ausgehen.

Auch bei der Finanzierung kann es zu indirekten Folgen für KMU kommen. So müssen Banken laut Taxonomie künftig Auskunft über die Nachhaltigkeit ihrer Bilanz geben (Green Asset Ratio). Zwar sollen KMU laut den Planungen der Kommission aus dem Zähler des Green Asset Ratio entfernt werden, jedoch würden alle KMU-Kredite ohne Nachhaltigkeitsberichterstattung in den Nenner einfließen. Dies kommt einer pauschalen Einstufung als „braun“ gleich und kann zu einer bedingten Verschlechterung beim Zugang von Krediten führen. Da davon auszugehen ist, dass Banken zukünftig ebenfalls eine Berichterstattung durchführen und dementsprechend ihre Kreditvergabe stärker auf ESG (Environmental, Social, Governance) Kriterien ausrichten, ist zu erwarten, dass dies ebenfalls in die Risikobewertung der Finanzinstitute einfließen wird. Daher ist in der Kreditfinanzierung auch für KMU mit zusätzlichen Anforderungen zu rechnen, auch wenn keine direkte Verpflichtung durch die Richtlinien besteht.

Aufgrund der nicht zu vermeidenden indirekten Auswirkungen auf KMU unterstützen wir über unseren Dachverband Intergraf aktiv dabei, einen zweiten, freiwilligen KMU-Standard zu erarbeiten, der sich für alle KMU als einheitliche und niedrigschwellige Offenlegungsbasis eignen kann und u. U. je nach Art der Informationsanfrage um einzelne kleine Berichts-Bausteine erweitert werden könnte.

Um die Prozesse der Sekundärgesetzgebung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und zur Taxonomie effektiv zu begleiten, möchten wir Experten aus Druckereien identifizieren, die den bvdm (auch kurzfristig) gezielt fachlich unterstützen können. Bei Interesse bitten wir um Rückmeldung an Frau Rohmann (jr@get-your-addresses-elsewhere.bvdm-online.de) oder Herrn Neumann (mn@get-your-addresses-elsewhere.bvdm-online.de) beim bvdm.

Anlage ZDH-interne FAQs zur Nachhaltigen Finanzierung