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Quo vadis 2026 Papiermarkt? Interview mit Experte Gerd Purkott

Wo geht die Reise hin am Papiermarkt? Uns erreichen im Verband zunehmend Fragen unserer Mitglieder zur aktuellen Situation am Papiermarkt und zu den zu erwartenden Szenarien in der näheren Zukunft. Über das Thema sprachen wir mit Gerd Purkott, dem Papiermarktexperten unseres Kooperationspartners Paperconnect. Oliver Curdt, Geschäftsführer des VDMNW, führte das Interview.

Oliver Curdt: Herr Purkott, unserer Wahrnehmung nach, herrscht in der deutschen Druckindustrie zunehmend Unsicherheit und Sorge, was sich da am Papiermarkt zusammenbrauen könnte. Können Sie das nachvollziehen? 
 
Gerd Purkott: Ja, absolut. Jeder hat ja sicher noch im Kopf, was sich 2022 abgespielt hat. Das war damals ein bislang nie dagewesenes Horrorszenario in Sachen Papierverfügbarkeit verbunden mit astronomischen Kostenexplosionen. Papier – und somit auch gedruckte Produkte - wurden in kürzester Zeit teils um mehr als doppelt so teuer. Mit den Konsequenzen leben wir heute noch. Vor der durch den Irankrieg erneut entstehenden Energiekrise, ist es umso verständlicher, wenn böse Erinnerungen und damit verbundene Sorgen gerade jetzt hochkommen. 
 
Oliver Curdt: Aber ist es Ihrer Einschätzung nach realistisch, dass sich solche Horrorszenarien wie 2022 wiederholen? 
 
Gerd Purkott: Meiner Einschätzung nach, haben wir aktuell andere Marktvoraussetzungen. Der Papier- und Zellstoffmarkt ist ein Weltmarkt, der es aus europäischer Produktion betrachtet aktuell sehr schwer hat, signifikante Exporte zu fahren. Ein Überkapazitätsangebot trifft auf eine sinkende Nachfrage. Ein Ungleichgewicht, dass wir seit vielen Jahren mit Sorge betrachten. Viele Papiermaschinen sind zwar schon aus dem Markt verschwunden oder wurden umgerüstet, das hatte allerdings keine spürbare Wirkung auf eine bessere Balance in Sachen Angebot und Nachfrage. Die Papierpreise gaben sukzessive nach. 
 
Oliver Curdt: Und jetzt drängen asiatische Produzenten auf den Markt, oder? 
 
Gerd Purkott: So kann man es vermuten. Asiatische Big-Player versuchen z.B., sich durch Übernahme von einzelnen Papiergroßhändlern neue Märkte und Handelskanäle zu erschließen. Damit verbunden kommen auch zunehmend Papiere aus Asien in den deutschen Markt. Und das nicht im kleinen Stil. 
Das kennen wir ja seit Jahrzehnten aus anderen Industrien, bei Papier ist es allerdings aus meiner Sicht allein aus ökologischen Gründen ein Irrsinn, Papier, um die halbe Welt zu verfrachten, um es hier dann zu bedrucken. 
 
Oliver Curdt: Zurzeit scheint es im Markt aber bereits Papierpreiserhöhungen im Monatsrhythmus zu geben, oder? Auch von Energiekostenzuschlägen wird gesprochen. 
 
Gerd Purkott: Das entspricht den Tatsachen. Es handelt sich allerdings bislang um „normale“ Papierpreiserhöhungen, die bereits vor dem Irankrieg angekündigt waren. Das Szenario wird aber beflügelt durch diese Krise und gibt der Umsetzung von Preiserhöhungen mächtig Rückenwind. 
 
Oliver Curdt: Wann wird sich der Papierpreismarkt wieder beruhigen? 
 
Gerd Purkott: Es wird zum Mai 2026 definitiv eine weitere Preiserhöhungswelle kommen. Weiter in den Sommer zu schauen, ist aus heutiger Sicht reine Spekulation, da dies von so vielen Faktoren abhängig ist. Der Grundappetit der Papierlieferanten auf höhere Preise scheint jedoch entfesselt. 
 
Oliver Curdt: Gibt es einen Rat, den Sie unseren Lesern an die Hand geben möchten? 
 
Gerd Purkott: Jede Druckerei spürt, wie schwierig ein oligopolistischer Anbietermarkt wie der im Papiermarkt immer wieder werden kann. Je weniger Anbieter einen Markt beherrschen, desto mehr Markt und Preistransparenz brauchen Druckereien beim Fremdkostenfaktor Nr. 1, dem Papier. Ich muss das, was sich ich meinem Papiereinkauf abspielt jederzeit exakt messen können, um Benachteiligungen und letztendlich teure Schieflagen erkennen und vermeiden zu können. Wir bei Paperconnect stehen für diese Werte. Unsere Kunden navigieren immer abgesichert durch den volatilen Papiermarkt. Druckereien jeder Größenordnung können bei uns gerne Ihren Papiereinkauf einem kostenlosen Check-Up unterziehen, um festzustellen, ob Kostensenkungspotenziale zu heben sind. Das kann betriebswirtschaftlich relevant sein. 
 
Oliver Curdt: Vielen Dank, Herr Purkott. 

Unser Gesprächspartner

Gerd Purkott

Vertriebsmanager Paperconnect GmbH & Co. KG

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E-Mail: purkott@paperconnect.de

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Oliver Curdt
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