Sprach-, Lese- und Schreibförderung in der betrieblichen Ausbildung
Sprache ist ein integraler Bestandteil beruflicher Handlungskompetenz. Ungenügende Lese- und Schreibfähigkeit betrifft aber nicht nur Menschen mit Deutsch als Zweitsprache sondern auch Menschen mit Deutsch als Erstsprache. Für eine erfolgreiche Ausbildung können Betriebe durch eine sprachsensible Gestaltung im Ausbildungsalltag einen großen Beitrag leisten. Das Online-Tool TOP Assist unterstützt die Erstellung von Prüfungsaufgaben in gut verständlicher Sprache, um unnötige Sprachbarrieren zu eliminieren.

Sprachbildung und Sprachförderung in der Ausbildung
Auszubildende benötigen ausreichende sprachlich-kommunikative Grundkompetenzen für den Erwerb und die Ausübung beruflicher Handlungskompetenz. Dabei sollte die Sprachbildung und Sprachförderung nicht als alleinige Aufgabe der Berufsschule gesehen werden. Auch der Lernort Betrieb kann einen wertvollen Beitrag zur Förderung der sprachlich-kommunikativen Kompetenzen von Auszubildenden leisten, insbesondere bei der für die Arbeit notwendigen Vermittlung der beruflichen Fachsprache. Die auf der Plattform Leando bereitgestellte Checkliste für die sprachsensible Gestaltung im Ausbildungsalltag unterstützt Ausbilderinnen und Ausbilder dabei. Diese Maßnahmen sollten aber nicht nur als unterstützend für einzelne Auszubildende sondern als ein wesentliches Qualitätsmerkmal einer modernen Ausbildung gesehen werden. Neben der Stärkung der individuellen Kompetenzen der Azubis verbessern sich auch betriebliche Abläufe, Arbeitssicherheit und Teamkommunikation, da Missverständnisse reduziert werden.
Zusätzliche Angebote zur Sprachförderung wie Berufssprachkurse für Auszubildende (Azubi-BSK) helfen dabei, sprachliche Lücken zu schließen und Schlüsselkompetenzen für die Teilnahme am Berufsschulunterricht zu erlangen, um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen (siehe auch RS BP 02/2024 Berufssprachkurse für Auszubildende).
Betriebe, die Sprachbildung als festen Bestandteil ihres Ausbildungskonzepts verstehen, investieren somit nicht nur in erfolgreiche Ausbildungsabschlüsse, sondern auch in ihre eigene Fachkräftesicherung. Mangelnde Sprachkenntnisse werden dann nicht als Defizit betrachtet, sondern als entwickelbare Ressource – und damit als Schlüssel zu nachhaltigem Ausbildungs- und Prüfungserfolg.
Lese- und Schreibfähigkeit in der Ausbildung fördern
In der Ausbildung sind schriftsprachliche Anforderungen allgegenwärtig. Auftragstaschen und Sicherheitsinformationen müssen gelesen und verstanden werden. Berichtshefte müssen geführt werden und insbesondere büroorganisatorische Aufgaben erfordern ein hohes Maß an Lese- und Schreibkompetenz. Spätestens bei den Abschlussprüfungen stellen mangelnde Sprach- oder Lesekompetenz die Auszubildenden vor große Probleme. Dabei ist häufig das Wissen vorhanden, aber die Prüfungsaufgaben werden nicht verstanden.
Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben und ein niedriges Grundbildungsniveau betrifft aber nicht nur Menschen mit Deutsch als Zweitsprache, sondern teilweise auch Auszubildende mit Deutsch als Erstsprache. Im Betrieb kann ein wertvoller Beitrag zur Förderung der schriftsprachlichen Kompetenz geleistet werden, da hier das berufssprachliche Vokabular erlernt werden muss. Unterstützend können Glossare für Fachbegriffe mit Bildern und Symbolen erstellt werden. Auch das Führen des Berichtsheftes eignet sich bestens für die Förderung der Schreibfähigkeit. Weitere praktische Ansätze für die Integration von Sprachförderung im Alltag sowie kostenfreie Lernangebote für die Verbesserung der Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse finden sich auf der Plattform Leando des BIBB.
Betriebe, die die schriftsprachliche Kompetenz und damit die Grundbildung ihrer Auszubildenden fördern, stärken nicht nur die individuellen Chancen der Auszubildenden, sondern auch die Qualität und Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens.
TOP.KI: Textoptimierung von Prüfungsaufgaben mit Künstlicher Intelligenz
Prüfungstexte können für Auszubildende, die Schwierigkeiten mit der Sprache haben, eine große Hürde sein. Durch Textoptimierung kann diese leichter überwunden werden. Dabei geht es nur darum, eine bessere Verständlichkeit der Aufgabentexte zu erreichen, das Prüfungsniveau selbst bleibt erhalten.
Das Projektteam von TOP.KI hat das Werkzeug TOP Assist entwickelt, erprobt und evaluiert. Das frei verfügbare Online-Tool ermöglicht es, vorformulierte Prüfungsaufgaben in verständlichere Sprache zu wandeln, ohne dabei das Schwierigkeitsniveau abzusenken. Dazu wurde die geschlossene KI mit Daten aus Prüfungsaufgaben aus den Bereichen Druck-, Medien-, Metall-, Elektroindustrie sowie Wirtschafts- und Sozialkunde trainiert. Bei der Textoptimierung trennt zunächst eine Wortzentrifuge Standardsprache und berufsspezifische Fachsprache, damit letztere nicht ersetzt wird. Der Sprachbarrieren-Sensor erkennt in der Standardsprache sprachliche Hürden, welche man sich auch anzeigen lassen kann. Der von TOP Assist sprachlich optimierte Formulierungsvorschlag ist vom Nutzer inhaltlich und fachlich zu überprüfen. Die Textoptimierung der Prüfungsaufgaben soll sicherstellen, dass das geforderte Wissen abgeprüft wird, ohne dass es am Verständnis der Aufgabenstellung scheitert.
Ansprechpartner



